Qualitätsverständnis

Die Universität Göttingen hat den Anspruch in der Lehre herausragende Leistungen zu erbringen. Sie trägt zur Wissenstransformation der Wissensgesellschaft bei und unterstützt ihre Studierenden in der Entfaltung ihrer persönlichen Talente und Fähigkeiten. Die Universität Göttingen hat in den vergangenen Jahren erheblich in den Auf- und Ausbau von Verfahren zur Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung investiert.

Dabei versteht die Universität Göttingen Qualität nicht als etwas fest Vorgegebenes, sondern als Prozess. Es gilt, sich an der Universität immer wieder neu darauf zu verständigen, was die Qualität der Leistungen und der Prozesse der Universität ausmacht. Dies beinhaltet auch, Vorhandenes in Frage zu stellen und immer wieder neue Impulse zu setzen.

Dieser Ansatz stellt einerseits die ständige Bezugnahme auf die von außen vorgegebenen Anforderungen an die universitären Leistungen in Studium und Lehre und andererseits eine fortwährende und selbstkritische Haltung gegenüber den eigenen Leistungen in den Mittelpunkt. Das bedeutet konkret, dass Vorgaben beispielsweise von Kultusministerkonferenz und Akkreditierungsrat, Notwendigkeiten aus Sicht der Berufspraxis, et cetera gemeinsam mit Rückmeldungen beispielsweise aus universitären Evaluationsverfahren die Grundlage für Diskussionen zur Qualität von Studium und Lehre bilden. In dieser Ausbalancierung entwickelt sich das prozesshafte Qualitätsverständnis.

Auf Initiative der Vizepräsidentin für Studium, Lehre und Chancengleichheit, Prof. Dr. Andrea D. Bührmann, wird seit März 2017 im Rahmen eines teilpartizipativen Prozesses das Leitbild für das Lehren und Lernen an der Universität Göttingen erarbeitet, das das gemeinsame Verständnis der Qualität des Lehrens und Lernens an der Universität Göttingen formuliert. An der Entwicklung des Leitbilds haben sich Lehrende und Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen sowie Mitarbeiter*innen zentraler und dezentraler Einrichtungen beteiligt. Anschließend an Strategien und bestehende Konzepte sowie aufbauend auf spezifische Merkmale der Lehre an der Universität Göttingen, bietet das Leitbild einen Orientierungspunkt für die Lehre und markiert zudem einen Ausgangspunkt, um spezifische Maßnahmen zur weiteren Verbesserung der Lehrqualität zu entwickeln. Das Leitbild wird kontinuierlich weiterentwickelt sowie um weitere, spezifische Aspekte betreffende Dokumente ergänzt.

Die Universität Göttingen orientiert sich in ihrem Verständnis zur guten Lehre insbesondere an den folgenden sechs Aspekten:

Forschungsorientierte Lehre

Die Universität Göttingen setzt auf forschungsorientierte Lehre. Ein Leitgedanke ist die enge Verknüpfung von Forschung und Lehre. Die Einbeziehung von Studierenden in die Forschung soll in allen Studienstufen gewährleistet sein und bereits frühzeitig beginnen. Als Brücke zwischen Schule und Universität unterstützen bereits die Schülerlabore die Forschungsorientierung der Studieninteressierten und Studierenden.

Chancengleichheit und Diversität

Die Universität Göttingen fördert Chancengleichheit und Diversität. Sie stellt sicher, dass ihre Mitglieder und Angehörigen unabhängig von Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung, geschlechtlicher Identität, Religion oder Weltanschauung, Behinderung oder chronischer Krankheit, ethnischer und sozialer Herkunft sowie unabhängig von ihren unterschiedlichen Erfahrungshintergründen und Lebenssituationen und geschützt vor Diskriminierung lernen, lehren, forschen und arbeiten können. Detailliertere Informationen zur Chancengleichheit und Diversitätsorientierung in Studium und Lehre finden Sie hier.

Internationalisierung

Der Göttingen Campus lebt von den internationalen Studierenden sowie Wissenschaftler*innen, die mit ihren vielfältigen kulturellen Hintergründen die Wissenschaft und das Leben in Göttingen prägen. Im Rahmen der Internationalisierungsstrategie werden die Curricula der Studiengänge durch das Projekt „Internationalisierung der Curricula“ im Sinne einer „Education for a Global World: At Home and Abroad“ weiterentwickelt. Als flankierendes Element wird die Internationalisierungsstrategie von der internationalen Karriereberatung des zentralen Career Service gestützt. Englischsprachige und studienbegleitende Formate wie beispielsweise das Zertifikatsprogramm „Building International Careers“ befähigen Studierende, sich eigenständig und professionell begleitet globale Berufsperspektiven zu schaffen.

Interdisziplinäre und transdisziplinäre Studienangebote

An der Universität Göttingen haben die Studierenden die Möglichkeit, sich über ihre Fachgrenzen hinaus mit anderen Disziplinen zu vernetzen. Durch fachübergreifende Veranstaltungen wird die Fähigkeit zum interdisziplinären Arbeiten gestärkt.

Digitale Lehr- und Prüfungsformen

Die Universität Göttingen ist an einer (systematischen) Weiterentwicklung der Curricula interessiert. Sie fördert die Konzeption und Umsetzung innovativer Lehrkonzepte. Neue digitale Studienangebote erfordern einerseits neue Prüfungsformate (zum Beispiel E-Prüfungen), ermöglichen andererseits aber eine Überwindung von Grenzen und eine bessere internationale Vernetzung sowie ein Kennenlernen von Inhalten, Forschungs- und Lehrmethoden anderer Wissenschaftskulturen.

Beratungs- und Betreuungsqualität

Die Universität Göttingen sieht eine hohe Beratungs- und Betreuungsqualität in ihren Angeboten als einen wichtigen Faktor für einen erfolgreichen Studienverlauf an. Aufgrund der zunehmenden Diversität der Studierendenkohorten werden insbesondere auch Angebote für Studierende mit besonderem Beratungsbedarf kontinuierlich weiterentwickelt. Hierzu zählen dezentrale Angebote an den Fakultäten sowie zentrale Angebote wie die Beratung für Studieninteressierte und Studierende mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen in der Abteilung Studium und Lehre und die Antidiskriminierungsberatung und die Beratung und Unterstützung für trans* Studierende der Stabsstelle Chancengleichheit und Diversität.

Das Qualitätsmanagement-System (im Folgenden QM-System) der Universität Göttingen folgt einem diskursiven und partizipativen Ansatz und ist auf die Partizipation aller Beteiligten ausgerichtet. Im Zentrum stehen die Studierenden. Einerseits geht es darum, die Studienbedingungen und die Studienkonzepte auf deren Belange abzustimmen. Andererseits werden Studierende als partnerschaftliche Akteure des Entstehungsprozesses von Studien- und Lernqualität begriffen und in die Prozesse der Qualitätssicherung und -entwicklung einbezogen. Die Qualitätskultur führt dementsprechend weg von einem konsumentenorientierten hin zu einem kooperativen Qualitätsverständnis.

Partizipativ bedeutet auch, dass der Göttinger Qualitätsansatz anerkennt, dass die Qualität vor Ort durch das Engagement jedes Einzelnen entsteht. Aus diesem Grund gilt es, alle Lehrenden und alle Mitarbeiter*innen in den Fakultäten, der Verwaltung und in unterstützenden Einrichtungen aktiv in die Weiterentwicklung der Qualität der Universität einzubinden. In diesem Sinne wird die Universität ihr QM-System auch mit Blick auf die von ihr angestrebte Systemakkreditierung weiterentwickeln.

Die ineinandergreifenden Evaluationsverfahren schaffen für die Studierenden und auch für die Lehrenden eine Möglichkeit, ihr Feedback zu einzelnen Qualitätsaspekten in das Qualitätsmanagement einzuspeisen. In die daran inhaltlich und zeitlich anschließenden Diskussions- und Reflexionsprozesse werden alle Beteiligten einbezogen. Die Qualitätsdiskussionen dienen nicht nur dazu, kontinuierlich eine Qualität auf hohem Niveau zu gewährleisten, sondern auch Impulsgeber für Wandel und für neue Entwicklungen zu sein.

Das Qualitätsverständnis im Bereich Studium und Lehre orientiert sich an der Universität Göttingen stark am Student-Life-Cycle und ist daher auf die drei Phasen Studieneingang, Studium und Studienverlauf sowie Studienabschluss hin konzipiert. Die zentralen und dezentralen Angebotsstrukturen in diesem Bereich orientieren sich an dem Plan, Do, Check und Act-Qualitätsregelkreis. Die in diesem Kapitel beschriebenen Strukturen und Inhalte werden teilweise durch die im nächsten Unterkapitel ausführlicher beschriebenen Instrumente kontinuierlich überprüft und bei Bedarf von den verschiedenen Handlungsträgern angepasst.

zuletzt geändert: 25.03.2019 09:13